GOLDENE REGELN



  • 8.-6. Jahrhundert v. Chr.: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst; ich bin der Herr." (Die Bibel, 3. Mose Leviticus 19, 18), Judentum
  • 620 v. Chr.: "Was immer du deinem Nächsten verübelst, das tue ihm nicht selbst." Pittakos von Mytilene, die griechischen Sieben Weisen
  • 6. Jahrhundert v. Chr.: "Verletze nicht andere auf Wegen, die dir selbst als verletzend erschienen." (Udana-Varga 5, 18), Buddhismus
  • 500 v. Chr.: "Tue anderen nicht, was du nicht möchtest, dass sie dir tun." bzw. „Tu anderen nicht, was dir selbst nicht gefallen würde.“ / "Es wird dann keine Regungen von Widersetzlichkeit gegen dich geben, gleichgültig ob du es mit Staats- oder Familien Angelegenheiten zu tun hast." (Analekten des Konfuzius 15, 23 & 12,2), Konfuzianismus
  • 500 v. Chr.: "Ein Wort, das als Verhaltensregel für das Leben gelten kann, ist Gegenseitigkeit. Bürde anderen nicht auf, was du selbst nicht erstrebst." (Lehre vom mittleren Weg 13, 3), Konfuzianismus
  • 500 v. Chr.: "Daher übt der Weise keine Gewalt gegen andere, noch heißt er andere so tun." (Acarangasutra 5, 101-102), Jainismus
  • 500 v. Chr.: "Füge anderen nicht Leid durch Taten zu, die dir selber Leid zufügen oder zufügten." / "Wer sich zum Vorbild gemacht bat, soll weder schlagen noch Anlass zu Schlägen geben." / "Wie ich bin, so sind die anderen Wesen; daher soll eines das andere nicht schlagen noch sich von einem anderen schlagen lassen. Das ist die Bedeutung." (Dhammapada, 10, 129-I30); Buddhismus
  • 5. Jahrhundert v. Chr.: "Tue anderen nicht an, was dich ärgern würde, wenn andere es dir täten." Sokrates, griechischer Philosoph
  • 400 v. Chr.: "Soll ich mich andern gegenüber nicht so verhalten, wie ich möchte, dass sie sich mir gegenüber verhalten?" Platon, griechischer Philosoph
  • 4. Jahrhundert v. Chr.: "Man soll sich nicht auf eine Weise gegen andere betragen, die einem selbst zuwider ist. Dies ist der Kern aller Moral. Alles andere entspringt selbstsüchtiger Begierde." (Mahabharata, Anusasana Parva 113, 8; Mencius Vii, A, 4), Hinduismus
  • 2. - 4. Jahrhundert v. Chr.: "Was alles dir zuwider ist, das tue auch nicht anderen an." (Shayast-na-Shayast 13, 29 - Mittelpersische Schrift), Zoroastrismus
  • 2. - 4. Jahrhundert v. Chr.: "Dass die Natur nur gut ist, wenn sie nicht anderen antut, was ihr nicht selbst bekommt." (Dadistan-i-Dinik 94, 5 - Mittelpersische Schrift), Zoroastrismus
  • 200 v. Chr.: "Was du nicht leiden magst, das tue niemandem an." Judentum, Buch Tobit. / Von Martin Luther übersetzt "Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu." (Tobias 4,16 in den Apokryphen der Revidierten Ausgabe von 1984)
  • 150er v. Chr.: "Dies ist die Summe aller Pflicht: Tue anderen nichts, das dir Schmerz verursachte, würde es dir getan." (Mahabharata 5, 1517), Hinduismus und Brahmanismus
  • 90 v. Chr.: "Was du selbst zu erleiden vermeidest, suche nicht anderen anzutun." Epiktet
  • 1. Jahrhundert: "Alles, was ihr für euch von den Menschen erwartet, das tut ihnen." bzw. "Alles nun, was ihr wollt, das euch die Leute tun, das tut ihnen auch." (Die Bibel, Matthäus 7, 12; Lukas 6, 31), Christentum
  • 2. Jahrhundert: "Was dir selbst verhasst ist, das tue nicht deinem Nächsten an. Dies ist das Gesetz, alles andere ist Kommentar." (Talmud, Shabbat 31a), Judentum
  • 9. Jahrhundert: "Bei Allah, der mein Leben in Seiner Hand hält, keiner von euch kann ein treuer gläubiger Muslim sein, wenn er nicht für seinen Bruder wünscht, was er für sich selbst möchte."
  • 9. Jahrhundert: "Niemand von Euch hat wahren Glauben, bevor er nicht seinem Bruder oder seiner Schwester das gönnt, was er glaubt was ihm selbst zusteht. " (Sahih Buchari), Islam
  • ca. 1780: "Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde. " (Universalisierungs-Formel) bzw. "Handle nach der Maxime, die sich selbst zugleich zum allgemeinen Gesetze machen kann." (Allgemeine Formel) Immanuel Kants Kategorischer Imperativ. Kant Werke IV, S. 421, 6 / S. 436, 30 - 437, 1
  • 1807: "Die Bewegung ist also schlechthin die gedoppelte beider Selbstbewusstsein. Jedes sieht das Andre dasselbe tun, was es tut; jedes tut Selbst, was es an das Andre fordert; und tut darum, was es tut, auch nur insofern, als das Andre dasselbe tut; das einseitige Tun wäre unnütz; weil, was geschehen soll, nur durch beide zustande kommen kann." Georg Wilhelm Friedrich Hegel "Selbstständigkeit und Unselbstständigkeit des Selbstbewusstseins; Herrschaft und Knechtschaft"
  • 1997: "Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu." Die Goldene Regel wird Teil der Allgemeinen Erklärung der Menschenpflichten, Artikel 4



GOLDENE REGELN



Einleitung

In diesem aiMOOC befassen wir uns mit den "Goldenen Regeln" – einem moralischen Prinzip, das in vielen Religionen und philosophischen Systemen zu finden ist. Es besagt im Kern: Behandle andere so, wie du selbst behandelt werden möchtest. Diese universelle Leitlinie für ethisches Verhalten unterstreicht die Bedeutung von Empathie, Respekt und Mitgefühl im Umgang mit unseren Mitmenschen.


Die Goldene Regel in verschiedenen Kulturen und Religionen


Ursprünge und weltweite Verbreitung

Die Goldene Regel ist in zahlreichen Kulturen und religiösen Traditionen vertreten, oftmals in sehr ähnlicher Formulierung. Ihre Ursprünge reichen bis in die Antike zurück.

  1. Konfuzianismus: "Was du nicht willst, das man dir tu, das füg' auch keinem anderen zu." Dies spiegelt sich in den Lehren des Konfuzius (551–479 v. Chr.) wider.
  2. Christentum: "Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen." (Matthäus 7,12)
  3. Islam: "Keiner von euch ist ein Gläubiger, bis er für seinen Bruder wünscht, was er für sich selbst wünscht."
  4. Judentum: "Was dir selbst verhasst ist, das tue deinem Nächsten nicht an." (Talmud, Shabbat 31a)
  5. Buddhismus: "Ein Zustand, der nicht angenehm oder erfreulich für mich ist, sollte auch für ihn nicht angenehm oder erfreulich sein; und ein Zustand, der nicht angenehm oder erfreulich für mich ist, wie könnte ich ihn einem anderen auferlegen?"

Diese Regel findet sich auch in der Philosophie und den Lehren von Philosophen wie Kant, der in seinem kategorischen Imperativ eine ähnliche Forderung nach universeller Anwendbarkeit moralischer Prinzipien stellt.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

In welcher Religion wird die Goldene Regel explizit im Talmud erwähnt? (Judentum) (!Christentum) (!Islam) (!Buddhismus)

Welcher Philosoph formulierte den kategorischen Imperativ, der der Goldenen Regel ähnelt? (Kant) (!Platon) (!Aristoteles) (!Nietzsche)

In welchen heiligen Schriften findet man eine der Formulierungen der Goldenen Regel? (Matthäus 7,12) (!Die Veden) (!Das Gilgamesch-Epos) (!Die Ilias und die Odyssee)

Welche Aussage passt zum Konfuzianismus und seiner Sicht auf die Goldene Regel? ("Was du nicht willst, das man dir tu, das füg' auch keinem anderen zu.") (!"Behandle andere so, wie dein Herrscher behandelt werden möchte.") (!"Was dir selbst verhasst ist, das tue deinem Nächsten nicht an.") (!"Ein Zustand, der nicht angenehm für mich ist, wie könnte ich ihn einem anderen auferlegen?")

Welches Prinzip wird durch die Goldene Regel hauptsächlich gefördert? (Empathie und Mitgefühl) (!Gerechtigkeit und Strafe) (!Reichtum und Erfolg) (!Macht und Kontrolle)





Memory

Konfuzianismus "Was du nicht willst, das man dir tu, das füg' auch keinem anderen zu."
Christentum "Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen."
Islam "Keiner von euch ist ein Gläubiger, bis er für seinen Bruder wünscht, was er für sich selbst wünscht."
Judentum "Was dir selbst verhasst ist, das tue deinem Nächsten nicht an."
Buddhismus "Ein Zustand, der nicht angenehm oder erfreulich für mich ist, sollte auch für ihn nicht angenehm oder erfreulich sein."





Kreuzworträtsel

Konfuzius Wer prägte die Formulierung "Was du nicht willst, das man dir tu, das füg' auch keinem anderen zu." im Konfuzianismus?
Matthäus In welchem Buch der Bibel findet sich die Goldene Regel im Christentum?
Empathie Welches Prinzip fördert die Goldene Regel hauptsächlich?
Kant Welcher Philosoph formulierte den kategorischen Imperativ?
Talmud In welchem jüdischen Text findet sich eine Formulierung der Goldenen Regel?
Mitgefühl Neben Empathie, welches Gefühl wird durch die Goldene Regel gefördert?




Offene Aufgaben

Leicht

  1. Erkunde verschiedene kulturelle und religiöse Traditionen: Recherchiere, wie die Goldene Regel in einer Kultur oder Religion deiner Wahl formuliert wird und diskutiere, warum diese universelle Idee in so vielen verschiedenen Kontexten zu finden ist.
  2. Gestalte ein Poster: Erstelle ein kreatives Poster, das die Goldene Regel darstellt, entweder in Worten oder symbolisch durch Bilder.
  3. Tagebucheintrag: Schreibe einen Tagebucheintrag, in dem du beschreibst, wie du die Goldene Regel in deinem täglichen Leben angewendet hast.

Standard

  1. Interview: Führe ein Interview mit Personen unterschiedlicher Glaubensrichtungen über die Bedeutung der Goldenen Regel in ihrem Leben.
  2. Präsentation: Erstelle eine Präsentation über die Geschichte und die verschiedenen Interpretationen der Goldenen Regel in mindestens drei verschiedenen Kulturen.
  3. Analyse: Vergleiche die Goldene Regel mit dem kategorischen Imperativ von Kant und diskutiere die Ähnlichkeiten und Unterschiede.

Schwer

  1. Philosophisches Essay: Schreibe ein Essay, in dem du argumentierst, ob die Goldene Regel in der heutigen Gesellschaft noch relevant ist.
  2. Gruppendiskussion: Organisiere eine Gruppendiskussion in deiner Schule oder Gemeinde über die Anwendung der Goldenen Regel in aktuellen globalen Herausforderungen.
  3. Ethik-Workshop: Entwickle einen Workshop für jüngere Schülerinnen und Schüler, um die Wichtigkeit von Empathie und Mitgefühl durch die Goldene Regel zu vermitteln.




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